Natur

Wattwanderung

Auf dem Meeresboden spazieren gehen und das Leben im Verborgenen entdecken sind einzigartige Erfahrungen, die bei einer Klassenreise mit IWSS-Programm auf keinen Fall fehlen sollten. Als zentrale Kernaktivität ist die Wattwanderung Grundlage für weitere Bausteine wie Laborprogramme und vogelkundliche Aktivitäten.  

Die Schülerinnen und Schüler können bei einer Wattwanderung im Wesentlichen folgende Kenntnisse erwerben:

  • Sie gewinnen einen individuellen, multisensorischen Eindruck des Naturraumes Wattenmeer.
  • Sie lernen die charakteristischen Landschaftselemente des Wattenmeeres kennen: Marschland, Deich, Salzwiesen, Wattflächen mit Prielen, Dünen- bzw. Marscheninseln, etc.
  • Sie lernen, was Gezeiten sind, wie Ebbe und Flut entstehen und welche Rolle sie bei der Entstehung und Ökologie des Wattenmeeres spielen.
  • Sie erfahren, dass es in unterschiedlichen Bereichen des Watts verschiedene Wattbodenarten gibt, was Korngrößen sind und wie Sedimentation und Erosion mit den Gezeiten und Strömungsgeschwindigkeiten zusammenhängen.
  • Sie erfahren, dass in den verschiedenen Bodenschichten unterschiedliche chemische Reaktionen stattfinden und wie sich die Versorgung mit bzw. der Mangel von Sauerstoff auf die Bodenlebewesen auswirkt.
  • Sie lernen, dass das Wattenmeer ein sehr dynamisches System ist und dass menschliche Aktivitäten wie z.B. Eindeichungen die natürliche Dynamik beeinflussen.
  • Sie lernen abiotische Faktoren wie Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoffversorgung, Gezeiten und Strömung kennen und wie sich die typischen Wattorganismen an diese Bedingungen anpassen.
  • Sie lernen typische Wattorganismen kennen (Identifizierung, Wiedererkennung) und erwerben Kenntnisse über die Biologie und Ökologie häufiger Arten.
  • Sie lernen Nahrungsketten und –netze kennen mit Primärproduzenten, Konsumenten und Destruenten und wenden das Konzept auf die Organismen des Wattenmeers an.
  • Sie erfahren, dass das Wattenmeer ein besonderer Lebensraum mit unwirtlichen Lebensbedingungen ist, an den sich nur wenige Arten angepasst haben, die dafür in sehr hohen Zahlen vorkommen.
  • Sie erfahren, dass das Wattenmeer ein sehr junger und dynamischer Lebensraum ist und dass die Artenzusammensetzung zum Teil durch menschliche Aktivitäten beeinflusst wurde (Artenverlust durch Umweltverschmutzung, Einschleppung neuer Arten durch Schiffsverkehr und Aquakultur)
  • Sie erfahren, dass das Wattenmeer ein weltweit einzigartiges und sensibles Ökosystem ist und in internationaler Zusammenarbeit geschützt werden muss.

Laborprogramm

„Watt-Labor“, „Watt-Praktikum“, „Wasser-Labor“, etc.

Viele morphologische und biologische Merkmale der Wattorganismen lassen sich erst mit einem Binokular/Mikroskop entdecken. Im Rahmen des Laborprogramms erkunden die Schülerinnen und Schüler die „große kleine Welt“ einiger typischer Wattorganismen und führen einfache Experimente zu charakteristischen Prozessen des Wattenmeeres durch, z.B. Sedimentation, biologische Filtration. Die Aktivität baut i.d.R. auf die Wattwanderung auf und es werden die zuvor selbst gesammelten Tiere untersucht.

Die Schülerinnen und Schüler können im Rahmen des Laborprogramms im Wesentlichen folgende Kenntnisse erwerben:

  • Sie lernen den Umgang mit Binokularen/Mikroskopen.
  • Sie lernen Organismen mit Hilfe von Bestimmungsschlüsseln (Bildbestimmung, dichotome Schlüssel, u.a.) zu identifizieren.
  • Sie erwerben Kenntnisse über die Morphologie, die Fortbewegungsweise und das Verhalten einiger typischer Wirbelloser (inkl. Planktonorganismen).
  • Sie lernen einfache Messverfahren kennen und anzuwenden (Salzgehalt, Temperatur, pH-Wert), vergleichen Salz- und Süßwasser und untersuchen, welche Effekte die Werte auf Organismen haben (z.B. Reaktion einzelner Organismen auf verschiedene Salzkonzentrationen).
  • Sie lernen die Wirkungsweise von Muscheln als biologischer Filter kennen.

Vogelprogramm

„Vogelkundliche Exkursion“, „Zugvogelspiel“, „International Flyway Games“, ...

Vögel gehören zu den auffälligsten Tieren des Wattenmeeres. Sie kommen mit etwa 70 Arten und vor allem zu Zugzeiten mit sehr hohen Individuenzahlen im gesamten Wattenmeer vor. Vögel sind mit wenig Aufwand gut zu beobachten und viele ökologische Anpassungen und Zusammenhänge sowie die internationale Bedeutung des Wattenmeeres können am Beispiel der Vögel anschaulich erläutert werden. Während des Vogelprogramms werden die Schülerinnen und Schüler in die Vogelbeobachtung eingeführt, lernen die Rolle der Vögel im Ökosystem Wattenmeer kennen und erfahren Wissenswertes über den Vogelzug.

Die Schülerinnen und Schüler können im Rahmen des Vogelprogramms im Wesentlichen folgende Kenntnisse erwerben:

  • Sie üben sich im Umgang mit Ferngläsern und Spektiven.
  • Sie lernen typische Vogelarten des Wattenmeeres (Brutvögel, Zugvögel) kennen und mit Bestimmungshilfen umzugehen.
  • Sie lernen, dass die Vögel das reichhaltige Nahrungsangebot (bereits im Wattprogramm behandelt!) zum Aufbau von Fettreserven und zur Aufzucht ihrer Jungen brauchen.
  • Sie lernen, dass unterschiedliche Arten sich auf unterschiedliche Nahrung und Nahrungsaufnahme spezialisiert haben. Sie lernen das Konzept der ökologischen Nische kennen.
  • Sie lernen, dass die Vögel verschiedene Bereiche des Wattenmeeres für verschiedene Zwecke nutzen (Wattflächen zur Nahrungsaufnahme, Sandflächen und Salzwiesen zur Rast und Brut).
  • Sie lernen, dass Vögel mit den Jahreszeiten ziehen und dass das Wattenmeer ein essentieller Trittstein auf der Zugroute vieler Arten ist.
  • Sie lernen, dass die an das Wattenmeer angrenzenden Länder eine internationale Verantwortung teilen für das Wohlergehen von 10 – 12 Millionen Vögeln, die entlang des Ost-Atlantischen-Zugweges ziehen.

Seetier-Programm

Seetierfangfahrt, Schleppnetzfischen, o.ä.

Fische und andere im Meer lebende Arten sind häufig weniger bekannt als Land- und Wattbewohner, da das Beobachten und Erforschen unter Wasser etwas aufwändiger ist. Das Seetier-Programm bietet die Möglichkeit, die faszinierende Unterwasserwelt zu entdecken und Wissenswertes über das marine Ökosystem zu lernen. Darüber hinaus gibt das Programm einen Einblick in die Rolle von Fisch als natürliche Ressource und die damit verbundenen Konflikte, z.B. Überfischung, Beifangproblematik, Gammelfischerei, etc.

Die Schülerinnen und Schüler können im Rahmen des Seetier-Programms im Wesentlichen folgende Kenntnisse erwerben:

  • Sie lernen für das Wattenmeer typische Fisch- und Seetierarten (Krebse, Stachelhäuter, etc.) kennen und mit Bestimmungshilfen zu bestimmen.
  • Sie lernen die Bedeutung des Wattenmeeres für verschiedene Fischgruppen (z.B. als „Kinderstube“ für Nordseefischarten) und die Rollen der verschiedenen Arten im Ökosystem kennen (Nahrungspyramide, Nahrungskette, etc.).
  • Sie lernen verschiedene Fischfangtechniken und Geräte kennen und zu gebrauchen, z.B. Gliep, Schleppnetz, u.a.
  • Sie lernen traditionelle und moderne Fischerei sowie die damit verbundenen Konfliktpotentiale kennen (Beifang, Gefährdung mariner Säugetiere, Überfischung, etc.) - auch mit Verbindung  zum Vogelprogramm - und erfahren etwas über Lösungsmöglichkeiten wie z.B. zertifizierte nachhaltige Fischerei.
  • Sie erhalten Handlungsanregungen für einen nachhaltigen Fischkonsum.

Quiz-Show

(von einigen IWSS-Partnerzentren angeboten)

Bei einer unterhaltsamen Quiz-Show (i.d.R. am letzten Abend) haben die Schüler die Gelegenheit ihr neu erworbenes Wissen unter Beweis zu stellen. Die Fragen beziehen sich auf die durchgeführten Aktivitäten und werden ebenso wie die Antworten über Overhead-Projektor oder Beamer gezeigt. Die Gewinner bekommen einen Preis.

Die Quiz-Show gibt den Schülern die Möglichkeit:

  • die Fakten aller relevanten Themen zu wiederholen (Natur und Landschaft, Kultur und Geschichte, Eingriffe und Schutz),
  • ihr angesammeltes Wattenmeer-Vokabular zu wiederholen,
  • engagiert in Teams zu arbeiten um die richtigen Antworten zu finden.

Ende und Ausblick

(von einigen Zentren nach mehrtägigen IWSS-Programmen angeboten)

Am Ende des Kurses, für gewöhnlich nach der Quiz-Show oder am letzten Morgen, gibt es eine Abschlussrunde, in der sich die Schülerinnen und Schüler noch einmal mit den Kursleitern treffen. Diese Runde beendet das Programm und gibt einen Ausblick auf mögliche zukünftige Interessen- und Tätigkeitsfelder der Schülerinnen und Schüler im Wattenmeer und deren mögliche Einbindung in weitere Naturschutzaktivitäten.

Die Abschlussrunde bietet den Schülerinnen und Schülern im Wesentlichen folgende Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten:

  • Sie können ihre Erlebnisse und Eindrücke aus dem Kurs noch einmal rekapitulieren und eine Rückmeldung geben (untereinander und an die Kursleiter).
  • Sie lernen, wo sie weitere Informationen zu Punkten, die sie besonders interessieren, finden können (Webseiten, Bücher, etc.).
  • Sie lernen, wie und wo sie sich zu Hause weiter im Naturschutz engagieren können (z.B. in lokalen Jugendgruppen, Sommercamps, etc.).
  • Sie erfahren, wie sie das erworbene Wissen über einen „wattenmeerfreundlichen Lebensstil“ in ihrem täglichen Leben umsetzen können (z.B. Nahrungsmittelwahl, Ressourcenschonung, etc.).
  • Sie verabschieden sich von den Kursleitern.